Krebsschutz: Können Männer Prostatakrebs vorbeugen?

Pro­sta­ta­krebs vor­beu­gen – das wün­schen sich wohl die meis­ten Män­ner. Zwar gibt es kei­ne Maß­nah­me, die einen 100-pro­zen­ti­gen Krebs­schutz ver­spricht. Ein gesun­der Lebens­stil kann jedoch das Krebs­ri­si­ko min­dern. Die bes­ten Tipps! Von Ingrid Müller

Pro­sta­ta­krebs ist die häu­figs­te Krebs­art bei Män­nern. Kein Wun­der also, dass ver­mut­lich die meis­ten einem Pro­sta­ta­krebs vor­beu­gen wol­len. Der wich­tigs­te Risi­ko­fak­tor für das Pro­statakar­zi­nom ist jedoch das Alter, und vor den zuneh­men­den Lebens­jah­ren kann sich kein Mann schüt­zen. Wie wich­tig das Alter für die Ent­wick­lung von Pro­sta­ta­krebs ist, ver­an­schau­li­chen fol­gen­de Zah­len aus US-Krebs­re­gis­tern: In der Alters­grup­pe der 45- bis 49-Jäh­ri­gen erkran­ken rund 17 von 100.000 Män­nern an Pro­sta­ta­krebs. Bei den 65- bis 69-Jäh­ri­gen sind es dage­gen 905, bei den 70- bis 74 Jäh­ri­gen knapp 654 und bei den über 85-Jäh­ri­gen fast 693 Män­nern von 100.000. Bei Män­nern unter 30 Jah­ren ist der Pro­sta­ta­krebs so gut wie unbe­kannt. Auch die Gene spie­len beim Pro­statakar­zi­nom eine Rol­le, und auf die­se haben Män­ner eben­falls kei­nen Einfluss.

Prostatakrebs vorbeugen: vier Tipps zum Lebensstil!

Den­noch kön­nen Män­ner mit eini­gen Maß­nah­men einem Pro­sta­ta­krebs vor­beu­gen, aller­dings nur bis zu einem gewis­sen Maß. Denn einen 100-pro­zen­ti­gen Schutz vor die­ser Krebs­art gibt es nicht. Die ame­ri­ka­ni­sche Krebs­ge­sell­schaft hat eini­ge all­ge­mei­ne Emp­feh­lun­gen zur Krebs­prä­ven­ti­on ver­öf­fent­licht. Die­se set­zen an den Risi­ko­fak­to­ren für Pro­sta­ta­krebs und ande­ren Krebs­ar­ten ansetzt. Wer sie beher­zigt, schützt sich womög­lich zusätz­lich vor Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen, Dia­be­tes und ande­ren Krank­hei­ten. Denn oft ist ein unge­sun­der Lebens­stil an die­sen Gesund­heits­pro­ble­men mitbeteiligt.

1. Prostatakrebs vorbeugen dank gesundem Gewicht

  • Ein gesun­des Gewicht hal­ten Sie, indem Sie auf die Balan­ce zwi­schen Ener­gie­zu­fuhr (Kalo­ri­en­auf­nah­me) und kör­per­li­cher Akti­vi­tät (Kalo­ri­en­ver­bren­nung) achten.
  • Kalo­ri­en spa­ren Sie ein, indem Sie auf zu viel Zucker, gesät­tig­te Fett­säu­ren, Trans­fet­te und Alko­hol ver­zich­ten. Lebens­mit­tel mit die­sen Bau­stei­nen sind sehr ener­gie­reich, haben also vie­le Kalo­ri­en. Außer­dem man­gelt es die­sen Nah­rungs­mit­teln meist an gesun­den Vit­ami­nen, Mine­ra­li­en und Bal­last­stof­fen. Sei­en Sie dem­nach spar­sam mit frit­tier­ten oder gebra­te­nen Spei­sen, Kek­sen, Kuchen, Tor­ten, Süßig­kei­ten oder Soft­drinks (z.B. Eis­tee, Cola, Limonade).
  • Ver­mei­den Sie am bes­ten Über­ge­wicht und Fett­lei­big­keit (Adi­po­si­tas). Und wenn Sie zu vie­le Kilos mit sich her­um­schlep­pen, ver­su­chen Sie, eini­ge Pfun­de los­zu­wer­den. Im bes­ten Fall schaf­fen Sie es anschlie­ßend, Ihr Gewicht zu hal­ten und nicht wie­der zuzu­neh­men (JoJo-Effekt!)

2. Prostatakrebs vorbeugen: Sport und Bewegung helfen mit!

  • Sei­en Sie so oft und lan­ge wie mög­lich kör­per­lich aktiv! Emp­feh­lens­wert sind min­des­tens 30 Minu­ten mäßi­ge bis star­ke kör­per­li­che Akti­vi­tät pro Tag. Dazu kommt am bes­ten viel Bewe­gung im All­tag. Ver­su­chen Sie, an min­des­tens fünf Tagen pro Woche kör­per­lich aktiv zu sein (am bes­ten an allen Tagen der Woche). Gut sind 45 bis 60 Minu­ten Trai­ning täglich.
  • Mäßi­ge kör­per­li­che Anstren­gung bedeu­tet zum Bei­spiel schnel­len Gehen, Tan­zen, locke­res, Fahr­rad­fah­ren, Gol­fen, Vol­ley­ball­spie­len, Rasen­mä­hen oder ein­fa­che Gartenarbeit.
  • Star­ke kör­per­li­che Betä­ti­gung bean­sprucht die Mus­keln, beschleu­nigt den Puls und die Atmung und lässt Sie ins Schwit­zen kom­men. Auf höhe­re Dreh­mo­men­ten brin­gen Sie Jog­gen, Lau­fen, Aero­bic, Schwim­men, schnel­les Fahr­rad­fah­ren, Fuß­ball­spie­len, Squash, Lang­lauf, Schrei­nern oder den Gar­ten umgraben.
  • Auch Ihr nor­ma­ler All­tag soll­te „bewegt“ sein: Stei­gen Sie Trep­pen statt Fahr­stuhl zu fah­ren; lau­fen oder radeln Sie zur Arbeit anstatt ins Auto zu stei­gen. Die Erhö­hung der All­tags­ak­ti­vi­tät ist übri­gens dem Sport gleichwertig.

3. Kann eine gesunde Ernährung Prostatakrebs vorbeugen?

Es gibt kei­ne spe­zi­el­le Ernäh­rung oder sogar Krebs­di­ät, mit der Sie Pro­sta­ta­krebs vor­beu­gen kön­nen. Den­noch ver­sorgt eine gesun­de Ernäh­rung den Kör­per mit allen wich­ti­gen Nähr­stof­fen, macht ihn leis­tungs­fä­hig, stärkt das Immun­sys­tem und sorgt für mehr Wohl­ge­fühl. Legen Sie den Schwer­punkt Ihrer Ernäh­rung auf pflanz­li­che Pro­duk­te und sei­en Sie spar­sam Lebens­mit­teln tie­ri­schen Ursprungs.

  • Essen Sie täg­lich ver­schie­de­ne Obst-und Gemü­se­sor­ten (Richt­li­nie: „fünf am Tag!“). Ver­zeh­ren Sie mehr Gemü­se als Obst, weil eini­ge Früch­te viel Zucker und damit Kalo­ri­en ent­hal­ten. Gemü­se wie Gur­ken, Toma­ten, Karot­ten oder Papri­ka besit­zen nur weni­ge Kalorien.
  • Grei­fen Sie lie­ber zu Voll­korn­pro­duk­ten. Die­se ent­hal­ten mehr Bal­last­stof­fe und sind gesün­der als Weißmehlprodukte.
  • Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on WHO hat rotes Fleisch und bestimm­te Wurst­sor­ten kürz­lich als krebs­er­re­gend ein­ge­stuft. Essen Sie des­halb nur wenig Fleisch­pro­duk­te und rotes Fleisch (Schwein, Rind, Lamm, Zie­ge, Wild). Bes­ser ist wei­ßes Fleisch wie Pute oder Hähn­chen. Essen Sie auch wenig geräu­cher­te und gepö­kel­te Wurst­wa­ren, zum Bei­spiel Schin­ken oder Salami.

4. Prostatakrebs vorbeugen: Achtung Alkohol!

Vie­le Umfra­gen haben es ans Licht gebracht: Die Deut­schen trin­ken zu viel Alko­hol! Doch zu gro­ße Men­gen an Alko­hol schä­di­gen die Gesund­heit. Sie för­dern ver­schie­de­nen Krebs­ar­ten, etwa Brust-, Darm- oder Spei­se­röh­ren­krebs. Redu­zie­ren Sie des­halb bes­ser Ihren Alko­hol­kon­sum und ach­ten Sie auf regel­mä­ßi­ge Alko­hol­pau­sen. Män­ner soll­ten nicht mehr als 24 Gramm Alko­hol pro Tag trin­ken – das sind etwa zwei alko­ho­li­sche Drinks. Zwölf Gramm Alko­hol neh­men Sie auf, wenn Sie:

  • 0,33 Liter Bier
  • 4cl Schnaps
  • 14cl Wein/Sekt oder
  • 7cl Likör/Aperitif trinken.

Die meis­ten Män­ner in Deutsch­land bechern jedoch deut­lich mehr als die­se emp­foh­le­nen Men­gen (Frau­en übri­gens auch, für sie gilt nur die Hälf­te, also zwölf Gramm Alko­hol täglich).

Können Medikamente Prostatakrebs vorbeugen?

Die Vor­stel­lung, mit einem Medi­ka­ment Pro­sta­ta­krebs vor­beu­gen zu kön­nen, klingt ver­lo­ckend. Tat­säch­lich haben For­scher eine Wirk­stoff­grup­pe ent­deckt, die schüt­zen­de Wir­kung ent­fal­ten könn­te: die soge­nann­ten 5-alpha-Redukta­se-Hem­mer. Wirk­stof­fe aus die­ser Grup­pe set­zen Ärz­te gegen die gut­ar­ti­ge Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung (benig­ne Pro­sta­ta­hy­per­pla­sie) und zum Teil gegen erb­lich beding­ten Haar­aus­fall (andro­ge­ne­ti­sche Alope­zie) ein. Die­se Arz­nei­en ver­hin­dern, dass sich das männ­li­che Geschlechts­hor­mon Tes­to­ste­ron in Dihy­dro­tes­to­ste­ron (DHT) umwan­delt. Das DHT begüns­tigt den erb­lich beding­ten Haar­aus­fall und die gut­ar­ti­ge Prostatavergrößerung.

Eine Stu­die ergab, dass der Wirk­stoff Finas­ter­id den PSA-Wert sen­ken und Pro­sta­ta­krebs vor­beu­gen kann. Finas­ter­id zählt zur Grup­pe der 5-alpha-Redukta­se-Hem­mer Typ-II. Bei Män­nern, die die­ses Medi­ka­ment ein­nah­men, fan­den For­scher weni­ger häu­fig Pro­sta­ta­krebs sowie Krebs­vor­stu­fen. Auch für den Wirk­stoff Dutas­ter­id lie­ßen sich in einer zwei­ten Stu­die ähn­li­che schüt­zen­de Effek­te nach­wei­sen. Die­ser 5-alpha-Redukta­se-Hem­mer ist nur für die gut­ar­ti­ge Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung zugelassen.

Doch die Schutz­wir­kung von Finas­ter­id und Dutas­ter­id beschränk­te sich nur auf Tumo­ren mit einem güns­ti­gen Glea­son-Score. Die­ser ist ein Maß für die Aggres­si­vi­tät und die Wachs­tums­ge­schwin­dig­keit der Krebs­zel­len. Gleich­zei­tig ent­deck­ten die For­scher in bei­den Stu­di­en ver­mehrt “high-gra­de” Kar­zi­no­me der Pro­sta­ta mit einem Glea­son-Score von 8 bis 10.

Ach­tung! In Deutsch­land sind 5-alpha-Redukta­se-Hem­mer nicht zur Vor­beu­gung von Pro­sta­ta­krebs zuge­las­sen! Außer­dem sei es zu beden­ken, dass es sich bei den poten­zi­el­len Anwen­dern um gesun­de, beschwer­de­freie Män­ner han­de­le, beto­nen Exper­ten. Wie jedes Medi­ka­ment haben die­se Arz­nei­en Nebenwirkungen.

Fazit: Einen siche­ren Krebs­schutz gibt es nicht. Wohl aber kön­nen Män­ner durch einen gesun­den Lebens­stil Pro­sta­ta­krebs vor­beu­gen, jeden­falls bis zu einem gewis­sen Maß.

Quel­len:

  • Inter­dis­zi­pli­nä­re S3-Leit­li­nie zur Früh­erken­nung, Dia­gno­se und The­ra­pie der ver­schie­de­nen Sta­di­en des Pro­statakar­zi­noms, Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie (DGU), Stand: April 2018
  • Leit­li­nie der ame­ri­ka­ni­schen Krebs­ge­sell­schaft (ACS) „Nut­ri­ti­on and phy­si­cal activi­ty gui­de­li­nes for can­cer pre­ven­ti­on“, https://www.cancer.org (Abruf: 27.4.2018)
Datum: 27.4.2018

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