Prostatakrebs: Augen auf bei YouTube-Videos

You­Tube-Vide­os zu Pro­sta­ta­krebs sind womög­lich eine Gefahr für Män­ner! Zu die­sem Schluss kommt jeden­falls eine US-Stu­die. Die Vide­os auf der Soci­al Media-Platt­form ent­hal­ten oft medi­zi­nisch fal­sche und unaus­ge­wo­ge­ne Infor­ma­tio­nen. Von Ingrid Müller

Soci­al Media Platt­for­men wie You­Tube sind beliebt – auch bei Män­nern. Doch die medi­zi­ni­schen Infor­ma­tio­nen zu Pro­sta­ta­krebs, wel­che die popu­lärs­ten Vide­os zei­gen, sind nicht unbe­dingt ver­läss­lich. Sie lie­fer­ten oft medi­zi­nisch fal­sche, miss­ver­ständ­li­che und ein­sei­ti­ge Infor­ma­tio­nen über Pro­sta­ta­krebs. Und dies bedeu­te eine poten­zi­el­le Gesund­heits­ge­fahr für Män­ner, beto­nen US-For­scher von der New York Uni­ver­si­ty School of Medi­ci­ne und vom Perl­mut­ter Can­cer Cen­ter. „Unse­re Ana­ly­se zeigt, dass Men­schen sehr vor­sich­tig und wach­sam sein soll­ten, wenn sie sich Vide­os zu Pro­sta­ta­krebs anse­hen“, sagt Prof. Sta­cy Loeb, Uro­lo­gin und Seni­or­au­to­rin der Stu­die. Die Ergeb­nis­se wur­den im Fach­jour­nal Euro­pean Uro­lo­gy veröffentlicht.

YouTube-Videos zu Prostatakrebs unter der Lupe

Die For­scher – inklu­si­ve vie­ler Soci­al Media-Exper­ten – ana­ly­sier­ten die 150 am häu­figs­ten ange­se­he­nen Vide­os auf You­Tube, die sich mit dem The­ma Pro­sta­ta­krebs beschäf­tig­ten. Sie bewer­te­ten den Nut­zen der Vide­os anhand von mehr als zwölf Kri­te­ri­en, zum Beispiel:

  • Rich­tig­keit der medi­zi­ni­schen Informationen
  • Aus­ge­wo­gen­heit der Inhalte
  • Grad der Falschinformation
  • Ein­bin­den kom­mer­zi­el­ler Botschaften

Alle über­prüf­ten Vide­os erreich­ten ein enorm gro­ßes Publi­kum: Im Schnitt schau­ten 45.000 bis hin zu 1,3 Mil­lio­nen Men­schen die Bewegt­bil­der auf der Soci­al-Media-Platt­form an. Ins­ge­samt wur­den auf You­Tube bis­lang mehr als 600.000 Vide­os zu Pro­sta­ta­krebs gepostet.

Videos zu Prostatakrebs

Die Pro­sta­ta Hil­fe Deutsch­land bie­tet vie­le Vide­os mit Ärz­ten zu Pro­sta­ta­krebs – von der Früh­erken­nung über die Dia­gno­se bis hin zu ver­schie­dens­ten Krebstherapien!

YouTube-Videos: gefährliche Therapieempfehlungen

Die For­scher fan­den her­aus, dass 77 Pro­zent die­ser Vide­os bezie­hungs­wei­se der Kom­mentarab­schnit­te medi­zi­ni­sche Falsch­aus­sa­gen ent­hiel­ten oder die Inhal­te nicht aus­ge­wo­gen waren. Zudem beschrie­ben 75 Pro­zent der Vide­os aus­führ­lich die Vor­tei­le ver­schie­dens­ter Krebs­be­hand­lun­gen, wäh­rend nur 53 Pro­zent den mög­li­chen Risi­ken und Neben­wir­kun­gen aus­rei­chend Platz einräumten.

Wei­te­re 19 Pro­zent der Bewegt­bil­der emp­fah­len alter­na­ti­ve oder kom­ple­men­tä­re Behand­lun­gen bei Pro­sta­ta­krebs, deren Wirk­sam­keit nicht aus­rei­chend in kli­ni­schen Stu­di­en nach­ge­wie­sen ist. Als Bei­spiel nen­nen die Stu­di­en­au­to­ren ein Video, wel­ches die Injek­ti­on von Heil­kräu­ter­es­sen­zen in die Pro­sta­ta emp­fiehlt, um dem Pro­sta­ta­krebs zu Lei­be zu rücken. Ein Rat­schlag, dem es an jeg­li­cher medi­zi­ni­scher Beweis­kraft feh­le, schrei­ben die Autoren.

Prostatakrebs: Wer YouTube-Videos guckt, sollte wachsam sein!

Nur 50 Pro­zent aller ana­ly­sier­ten Vide­os beschrie­ben das Vor­ge­hen des „Sha­red Deci­si­on Making“ – also der gemein­sa­men Ent­schei­dungs­fin­dung bei der Früh­erken­nung und The­ra­pie zwi­schen Arzt und Pati­ent. Dabei dis­ku­tie­ren sie sämt­li­che Vor- und Nach­tei­le einer Behand­lung und ent­schei­den dann gemein­schaft­lich, wel­che indi­vi­du­ell infra­ge kommt. In eini­gen Vide­os ent­deck­ten die For­scher feh­ler­haf­te Anga­ben zu den Früh­erken­nungs­maß­nah­men, die nicht den medi­zi­ni­schen Leit­li­ni­en ent­spre­chen. So rie­ten sie zum Bei­spiel schon in jun­gen Jah­ren zum PSA-Test. Außer­dem schla­gen man­che Vide­os aggres­si­ve­re The­ra­pi­en vor, als sie für Pro­sta­ta­krebs mit nied­ri­gem Risi­ko emp­foh­len sind.

Es gibt auf You­Tube ver­läss­li­che Infor­ma­tio­nen zu Pro­sta­ta­krebs. Men­schen müs­sen jedoch die Quel­le der Vide­os genau über­prü­fen, um sicher­zu­stel­len, dass sie auch ver­trau­ens­wür­dig sind“, erklärt Loeb. Sie müss­ten sich dar­über bewusst sein, dass vie­le Vide­os zu medi­zi­ni­schen Behand­lun­gen „sehr schnell als über­holt gel­ten, weil sich die Wis­sen­schaft rasant wei­ter ent­wi­ckelt“, so Loeb weiter.

Ärzte sollen selbst verlässliche YouTube-Videos produzieren

Ärz­te soll­ten Män­ner medi­zi­nisch seriö­se und fun­dier­te Quel­len nen­nen, bei denen sie sich über Pro­sta­ta­krebs infor­mie­ren kön­nen. Außer­dem soll­ten Dok­to­ren wie auch ande­re Anbie­ter von Gesund­heits­dienst­leis­tun­gen auf Soci­al Media-Platt­for­men wie You­Tube prä­sent sein. Sie könn­ten Vide­os pro­du­zie­ren, die das schul­me­di­zi­ni­sche, wis­sen­schaft­lich nach­ge­wie­se­ne Wis­sen zum Inhalt haben (soge­nann­te evi­denz­ba­sier­te Medi­zin oder eng­lisch „evi­dence based medicine“).

Die Men­ge der Vide­os auf You­Tube macht es für medi­zi­ni­sche Exper­ten unmög­lich, kon­ti­nu­ier­lich sämt­li­che Ange­bo­te medi­zi­nisch zu über­prü­fen. Loeb sagt: „Aller­dings kön­nen Ärz­te und ande­re Exper­ten die Kom­men­tar­funk­ti­on nut­zen, um offi­zi­el­le Stel­len auf irre­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen auf­merk­sam zu machen.“

In Deutsch­land bie­ten unter ande­rem die Krebs­or­ga­ni­sa­tio­nen kos­ten­lo­se, lai­en­ver­ständ­li­che medi­zi­ni­sche Infor­ma­tio­nen zu Pro­sta­ta­krebs im Inter­net. Bei­spie­le sind das Deut­sche Krebs­for­schungs­zen­trum, die Deut­sche Krebs­hil­fe oder die Deut­sche Krebs­ge­sell­schaft. Aber auch Selbst­hil­fe­or­ga­ni­sa­tio­nen und unab­hän­gi­ge Platt­for­men sind ver­läss­li­che Quel­len, um sich über Pro­sta­ta­krebs zu informieren.

Quel­le:

  • Loeb S. et al. „Dis­se­mi­na­ti­on of Mis­in­for­ma­ti­ve and Bia­sed Infor­ma­ti­on about Pro­sta­te Can­cer on You­Tube“ Euro­pean Uro­lo­gy, 11/2018; DOI: 10.1016/j.eururo.2018.10.056
Datum: 29.11.2018
YouTube-Videos zu Prostatakrebs enthalten oft falsche Informationen

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You­Tube-Vide­os zu Pro­sta­ta­krebs sind womög­lich eine Gefahr für Män­ner! Sie ent­hal­ten oft medi­zi­nisch fal­sche und unaus­ge­wo­ge­ne Infor­ma­tio­nen, ergab eine US-Studie. 
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