Prostatabiopsie – Bauchatmung lindert die Angst

Eine Pro­statabi­op­sie kön­nen Män­ner durch die rich­ti­ge Atmung ent­spann­ter und gelas­se­ner über­ste­hen. Die Bauch­at­mung lin­dert die Angst und ver­min­dert Stress, ergab eine Stu­die. Von Ingrid Mül­ler

Die Pro­statabi­op­sie emp­fin­den vie­le Män­ner als unan­ge­nehm und oft beängs­ti­gend. Nicht nur, weil Ärz­te mit fei­nen Nadeln durch den Damm oder Darm ste­chen, son­dern auch, weil die Gewe­be­ent­nah­me einen even­tu­ell vor­han­de­nen Pro­sta­ta­krebs ans Tages­licht beför­dern kann. For­scher des VA Con­nec­ti­cut Health­ca­re Sys­tem unter­such­ten jetzt in einer Stu­die, ob Män­ner ihre Furcht viel­leicht ein­fach weg atmen kön­nen. Anschei­nend schon, denn die Bauch­at­mung kann die Angst lin­dern und Män­nern hel­fen, die Biop­sie ent­spann­ter zu über­ste­hen, so das Ergeb­nis.

Bauchatmung: Kurzes Training vor der Prostatabiopsie

An der Stu­die nah­men 74 Män­ner zwi­schen 52 und 79 Jah­ren teil. Ihnen stand eine Pro­statabi­op­sie bevor, die Ärz­te über einen trans­rek­ta­len Ultra­schall (TRUS) steu­er­ten. Der eine Teil der Män­ner traf sich ein­ma­lig für eine Vier­tel­stun­de mit einem Psy­cho­lo­gen. Die­ser brach­te ihnen unmit­tel­bar vor der Pro­statabi­op­sie bei, wie die Bauch­at­mung (Zwerch­fell­at­mung) funk­tio­niert und wie sie die Atem­tech­nik rich­tig durch­füh­ren. Die ande­ren Män­ner erhiel­ten kein Kurz­trai­ning zu die­ser Atem­tech­nik.

Vor und nach dem Ein­griff erfass­ten die For­scher um Amy S. Grin­berg mit Hil­fe eines spe­zi­el­len Fra­ge­bo­gens, wie­viel Angst die Män­ner hat­ten. Zudem bestimm­ten die Psy­cho­lo­gen kör­per­li­che Para­me­ter wie die Herz­fre­quenz und den Blut­druck. Anschlie­ßend führ­ten Ärz­te die Biop­sie unter loka­ler Betäu­bung ohne Sedie­rung und Beru­hi­gungs­mit­tel durch. Die Män­ner waren also wäh­rend des Ein­griffs wach und beka­men alles mit.

Bauchatmung oder Brustatmung? Testen Sie sich selbst!
  • Legen Sie eine Hand auf den Bauch und die ande­re auf den obe­ren Brust­korb.
  • Jetzt atmen Sie meh­re­re Atem­zü­ge so wie nor­ma­ler­wei­se.
  • Ach­ten Sie auf Ihre Hän­de: Bewegt sich die obe­re Hand auf dem Brust­korb stär­ker als die unte­re auf dem Bauch? Dann ist dies die Brust­at­mung.
  • Kon­zen­trie­ren Sie sich jetzt dar­auf, tief in den Bauch – als in die eige­ne Hand hin­ein zu atmen. Der Bauch soll­te sich jetzt weit nach vor­ne wöl­ben.

Prostatabiopsie: Bauchatmung nimmt die Angst

Vor der Pro­statabi­op­sie konn­ten die For­scher kei­ne signi­fi­kan­ten Unter­schie­de bei den Män­nern bei­der Grup­pen fest­stel­len – weder beim Aus­maß der Angst noch bei Wer­ten wie dem Herz­schlag oder Blut­druck. Anders war dies jedoch nach der Biop­sie der Pro­sta­ta: Bei Män­nern, wel­che die Bauch­at­mung erlernt hat­ten, hat­te die Angst im „Vor­her-Nach­her-Ver­gleich“ viel stär­ker abge­nom­men als bei Män­nern, die kei­ne beson­de­ren Anwei­sun­gen zur Atmung erhal­ten hat­ten. Auch der Herz­schlag hat­te sich bei den „Bauch­at­mern“ deut­lich ver­lang­samt.

Für Män­ner, die kei­ne Tipps zum Atmen in den Bauch bekom­men hat­ten, konn­ten die For­scher dies nicht nach­wei­sen.
Ihr Fazit: „Die Bauch­at­mung kann Ängs­te wäh­rend der Pro­statabi­op­sie redu­zie­ren und führt zu einer ver­bes­ser­ten Pati­en­ten­er­fah­rung.“ So könn­ten Män­ner die Pro­statabi­op­sie ent­spann­ter über­ste­hen.

So funktionieren die Bauchatmung und Brustatmung

Schau­spie­ler, Spre­cher und Sän­ger sind Pro­fis, was die Bauch­at­mung angeht – sie gehört zum Job und ist ihr täg­li­ches Hand­werks­zeug. Auch im Yoga oder in der Logo­pä­die spielt die Zwerch­fell­at­mung eine wich­ti­ge Rol­le. Und Babys atmen eben­falls in den Bauch hin­ein. Im Lauf des Lebens stei­gen jedoch die meis­ten Men­schen von der Bauch- auf die Brust­at­mung um – ver­mut­lich auf­grund von Stress und Ver­span­nun­gen, glau­ben Ärz­te. Doch eigent­lich gilt die Bauch­at­mung als gesün­der. Die Unter­schie­de:

  • Bauch­at­mung: Men­schen set­zen die Zwerch­fell­at­mung nor­ma­ler­wei­se unbe­wusst ein, wenn sie in Ruhe und ent­spannt sind, etwa beim Sit­zen oder Schla­fen. Nur die Akti­vi­tät des Zwerch­fells, das sich zwi­schen der Brust- und Bauch­höh­le befin­det, steu­ert die Bauch­at­mung. Zieht sich das Zwerch­fell zusam­men, wer­den die Ein­ge­wei­de nach unten gedrückt und der Bauch wölbt sich nach vor­ne. Die Bauch­at­mung ist ener­gie­spa­ren­der als die Brust­at­mung. Zudem sinkt der Blut­druck und die Ver­dau­ungs­tä­tig­keit wird ange­regt.
  • Brust­at­mung: Hier sind beson­ders die Zwi­schen­rip­pen­mus­keln aktiv. Beim Ein­at­men span­nen sie sich an. Dadurch heben sich die Rip­pen und zie­hen das pas­si­ve Zwerch­fell in die Höhe – der Brust­korb erwei­tert und hebt sich.

Die meis­ten Men­schen kom­bi­nie­ren im All­tag die Brust- und Bauch­at­mung mit­ein­an­der. Mit zuneh­men­dem Alter und abneh­men­der Elas­ti­zi­tät des Brust­korbs gewinnt die Bauch­at­mung wie­der an Bedeu­tung.

Bauchatmung – Übungen und Tipps

Bauchatmung im Liegen
  • Legen Sie sich flach auf den Rücken, etwa auf den Boden oder ein fla­ches Sofa. Win­keln Sie Ihre Bei­ne leicht an, damit Ihre Füße flach auf dem Boden ste­hen. Die Posi­ti­on soll­te mög­lichst locker und ent­spannt sein. Neh­men Sie Zeit, bis Sie tat­säch­lich ruhig sind.
  • Atmen Sie durch die Nase und kon­zen­trie­ren Sie sich auf Ihren Atem. Fol­gen Sie dem Atem gedank­lich eini­ge Züge lang, ohne ihn wil­lent­lich zu beein­flus­sen.
  • Legen Sie nun die Hän­de auf den Bauch (zwi­schen den Nabel und das Brust­bein).
  • Kon­zen­trie­ren Sie sich auf den Bauch und atmen Sie bewusst gegen Ihre Hän­de ein und wie­der aus.
  • Beim Ein­at­men soll­ten sich Ihre Hän­de heben (der Bauch nach vor­ne wöl­ben) und beim Aus­at­men wie­der sen­ken (der Bauch wird fla­cher).
  • Wie­der­ho­len Sie die Übun­gen eini­ge Minu­ten lang und kon­zen­trie­ren Sie sich dar­auf, wie sich das Atmen anfühlt.
  • Üben Sie regel­mä­ßig auf die­se Wei­se – dann bekom­men Sie ein bes­se­res Gefühl für die Bauch­at­mung.
Bauchatmung im Sitzen

• Set­zen Sie sich auf­recht auf den Boden oder einen Stuhl – die Wir­bel­säu­le soll­te gera­de sein, der Kopf hoch und das Kinn par­al­lel zum Boden.
• Legen Sie die Hän­de auf den Bauch in der Nabel­ge­gend.
• Jetzt atmen Sie wie­der bewusst gegen die Hän­de ein und aus.
• Beim Ein­at­men bewe­gen sich Ihre Hän­de nach vor­ne, beim Aus­at­men nach hin­ten – der Bauch wölbt sich nach vor­ne und wird dann wie­der fla­cher.
• Atmen Sie eini­ge Minu­ten lang ent­spannt und kon­zen­triert auf die­se Wei­se.
Spü­ren Sie dem Atem nach und prä­gen Sie sich ein, wie sich die Bauch­at­mung anfühlt.

Noch ein Tipp: Wenn Sie Ihren Bauch stän­dig (aus Eitel­keit?) ein­zie­hen oder zu enge Klei­dung tra­gen, funk­tio­niert die Bauch­at­mung nicht. Sie atmen dann eher flach in die Brust statt tief in den Bauch. Ach­ten Sie dar­auf, ob Sie viel­leicht unbe­wusst den Bauch ein­zie­hen. Falls ja – trai­nie­ren Sie zunächst, den Bauch locker zu las­sen und zu ent­span­nen.

Quellen
  • Grin­berg AS et. al. Effect of Dia­phrag­ma­tic Breat­hing on Pro­ce­du­ral Anxie­ty During Trans­rec­tal Pro­sta­te Bio­psy, Uro­lo­gy, March 01 2020, DOI: https://doi.org/10.1016/j.urology.2019.12.024
  • Lun­gen­ärz­te im Netz, https://www.lungenaerzte-im-netz.de/unsere-atemwege/funktion/die-einzelnen-atembewegungen/ (Abruf: 10.3.2020)
  • Yoga Wiki, https://wiki.yoga-vidya.de/Bauchatmung (Abruf: 10.3.2020)
  • Doc­Check, https://flexikon.doccheck.com/de/Bauchatmung (Abruf: 10.3.2020)

Datum: 31.3.2020

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