A

100 Fragen – Dr. Schiefelbein antwortet

Der Würz­bur­ger Uro­lo­ge Dr. Frank Schie­fel­bein gibt Aus­kunft zu den wich­tigs­ten Fra­gen rund um das The­ma Prostata.

A

Einleitung
__

Vie­le Män­ner fürch­ten sich vor der Behand­lung von Pro­sta­ta­krebs. Denn nicht sel­ten sind Impo­tenz und Inkon­ti­nenz die Folge.

Deshalb ist es sehr wichtig, dass der Patient umfassend über die Erkrankung und über alle möglichen sinnvollen Therapien aufgeklärt wird“,

sagt Dr. Frank Schie­fel­bein, Chef­arzt der Mis­si­ons­ärzt­li­chen Kli­nik in Würz­burg. Hier beant­wor­tet er die wich­tigs­ten Fragen.

B

Fragen und Antworten
__

Wie hoch ist eigentlich das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken? 

Mit jähr­lich nahe­zu 70.000 Neu­erkran­kun­gen ist der Pro­sta­ta­krebs der häu­figs­te Tumor des Man­nes. Jedes Jahr ster­ben etwa 13.000 Män­ner in Deutsch­land an die­ser Erkran­kung. Sta­tis­tisch gese­hen liegt das Lebens­zeit­ri­si­ko, an Pro­sta­ta­krebs zu erkran­ken, bei etwa 13 Pro­zent, etwa drei Pro­zent der Pati­en­ten ster­ben dar­an. In den letz­ten 30 Jah­ren haben sich Vor­sor­ge und medi­zi­ni­sche The­ra­pie aller­dings erheb­lich verbessert.

Ab wann ist eine Vorsorgeuntersuchung wegen Prostatakrebs sinnvoll? 
Im Rah­men der Krebs-Früh­erken­nungs­un­ter­su­chung bie­ten die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen Män­nern ab dem 45. Lebens­jahr ein­mal jähr­lich eine Vor­sor­ge­un­ter­su­chung an. Hier­bei wird die Pro­sta­ta vom Arzt über den End­darm mit dem Fin­ger abge­tas­tet. Auf Wunsch des Pati­en­ten kann eine erwei­ter­te Vor­sor­ge durch­ge­führt wer­den. Dabei kann der PSA-Wert und eine über den End­darm durch­ge­führ­te spe­zi­el­le Ultra­schall-Unter­su­chung vor­ge­nom­men wer­den. Der PSA-Anstieg gilt als ein wich­ti­ger Früh­in­di­ka­tor in der Dia­gnos­tik des Pro­statakar­zi­noms. Bei erb­li­cher Vor­be­las­tung ist es rat­sam, die Vor­sor­ge ab dem 40. Lebens­jahr zu beginnen. 
Wie aussagefähig ist denn eine solche Untersuchung?
Eine regel­mä­ßi­ge, unauf­fäl­li­ge Pro­sta­ta­vor­sor­ge­un­ter­su­chung mit Tast­be­fund, PSA-Wert und Ultra­schall kann das Vor­lie­gen eines rele­van­ten Pro­sta­ta­kreb­ses mit guter Sicher­heit ausschließen. 
Schließt ein normaler PSA-Wert von vornherein ein Prostatakarzinom aus?
PSA heißt pro­stat­a­spe­zi­fi­sches Anti­gen. Dies ist eine Eiweiß­sub­stanz, die im Blut des Pati­en­ten nach­ge­wie­sen wird. Der PSA-Wert ist lei­der nicht hun­dert­pro­zen­tig aus­sa­ge­kräf­tig. Der Pro­sta­ta­krebs ist ein sehr unter­schied­lich zu wer­ten­der Tumor. Bei bis zu 15 Pro­zent der Pro­statakar­zi­no­me ist der PSA-Wert des Pati­en­ten nicht erhöht. Im Zwei­fels­fall kön­nen aber ande­re Labor­pa­ra­me­ter, wie der PCA-3-Test, her­an­ge­zo­gen werden. 
Immer mehr Studien lassen die aktuellen Vorsorgemaßnahmen zwiespältig erscheinen. Schaden PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs eventuell mehr als sie nutzen?
Der PSA-Wert ist der­zeit der sen­si­bels­te Para­me­ter in der Früh­dia­gnos­tik des Pro­sta­ta­kreb­ses. Ein sehr dif­fe­ren­zier­ter Umgang mit dem PSA-Wert, unter Abwä­gung des indi­vi­du­el­len Risi­kos des Pati­en­ten, ist eine grund­le­gen­de Vor­aus­set­zung, um ver­ant­wor­tungs­voll mit dem PSA-Wert umzu­ge­hen. Der Pro­sta­ta­krebs hat sehr unter­schied­li­che Ver­laufs­for­men. Wich­tig ist die Bewer­tung des indi­vi­du­el­len Risi­ko­pro­fils bei jedem Pati­en­ten, um eine Über­the­ra­pie zu vermeiden. 
Auf welche Warnzeichen sollte man grundsätzlich achten? 
Lei­der gibt es kei­ne frü­hen Warn­zei­chen. Beschwer­den beim Was­ser­las­sen könn­ten auf eine Erkran­kung der Pro­sta­ta hin­wei­sen. Wenn der Tumor näm­lich eine gewis­se Grö­ße erreicht hat, wird die Harn­röh­re, die von der Pro­sta­ta umschlos­sen wird, dadurch ver­drängt und das Was­ser­las­sen erschwert. In einem fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um kön­nen Blu­tun­gen beim Was­ser­las­sen oder beim Samen­er­guss auf­tre­ten. In eini­gen Fäl­len sind auch Rücken­schmer­zen wie bei einem Hexen­schuss zu beob­ach­ten, da Kno­chen­me­ta­sta­sen typi­scher­wei­se im Bereich der Wir­bel­säu­le ansiedeln. 
Was ist zu tun, wenn Verdacht auf Prostatakrebs besteht?
Dann muss die Dia­gno­se durch eine fein­ge­web­li­che Unter­su­chung gesi­chert wer­den. Hier­bei wird in Lokal­an­äs­the­sie nahe­zu schmerz­frei eine Fein­na­del­bi­op­sie – auch Stanz­bi­op­sie genannt – durch­ge­führt. Dadurch lässt sich ein Bild von der mög­li­chen Aus­deh­nung des Tumors gewin­nen. Die­se Erkennt­nis­se sind wich­tig für die The­ra­pie­pla­nung. So auch für das ope­ra­ti­ve Vor­ge­hen, ins­be­son­de­re mit der Fra­ge­stel­lung, ob eine ner­ven- und gefäß­scho­nen­de potenz­er­hal­ten­de Ope­ra­ti­on mög­lich ist. 
Ist eine Gewebeentnahme unbedingt erforderlich? 
Nur durch eine Gewe­be­ent­nah­me kann die Dia­gno­se Pro­sta­ta­krebs gesi­chert wer­den. Die Ergeb­nis­se aus der fein­ge­web­li­chen Unter­su­chung sind wich­ti­ge Grand­la­gen für die Therapie-Entscheidung. 
Kritiker bemängeln, dass angeblich zu viele Biopsien vorgenommen werden. 
Die Indi­ka­ti­on zur erwei­ter­ten Pro­sta­ta­di­a­gnos­tik mit PSA-Bestim­mung, trans­rek­ta­lem Ultra­schall und der Ent­nah­me einer Pro­statabi­op­sie ist eine indi­vi­du­el­le Ent­schei­dung des Pati­en­ten. Sie bedarf einer sorg­fäl­ti­gen Bera­tung durch den behan­deln­den Arzt. Dabei müs­sen Nut­zen und Risi­ko bespro­chen wer­den. Gene­rell gilt es selbst­ver­ständ­lich, eine Über­dia­gnos­tik und Über­the­ra­pie zu ver­mei­den – und gleich­zei­tig das zu spä­te Dia­gnos­ti­zie­ren eines Pro­sta­ta­kreb­ses so weit wie mög­lich auszuschließen. 
Es wird häufig kritisiert, dass Diagnose und Trefferquote bei der Untersuchung von Stanzproben zu wünschen übriglassen.
Die Durch­füh­rung der Stanz­bi­op­sie ist in den Leit­li­ni­en zum Pro­statakar­zi­nom stan­dar­di­siert. Ziel ist es, das kli­nisch signi­fi­kan­te Pro­statakar­zi­nom zu dia­gnos­ti­zie­ren. Gege­be­nen­falls kön­nen wei­te­re Unter­su­chun­gen wie Kern­spin­to­mo­gra­phie oder rech­ner­ge­stütz­te Ultra­schall­un­ter­su­chun­gen mit Elas­to­gra­phie die Dia­gnos­tik ver­fei­nern. Mit hin­rei­chen­der Sicher­heit kann dabei ein Pro­statakar­zi­nom nach­ge­wie­sen oder aus­ge­schlos­sen werden. 
Muss Prostatakrebs auf jeden Fall behandelt werden?
Ein gut dif­fe­ren­zier­ter Pro­sta­ta­krebs mit einem Glea­son-Score klei­ner als 6, einem PSA-Wert unter 10 und ohne einen aus­ge­dehn­ten Tast­be­fund kann in vie­len Fäl­len zunächst nur über­wacht wer­den. Die­se akti­ve Über­wa­chung setzt regel­mä­ßi­ge drei­mo­na­ti­ge Unter­su­chun­gen des Pati­en­ten vor­aus, um zu erken­nen, wann aus einem harm­lo­sen Ver­lauf ein aggres­si­ve­rer ent­steht. Dann muss die The­ra­pie umge­stellt wer­den und eine Ope­ra­ti­on mit Ent­fer­nung der Pro­sta­ta oder eine Bestrah­lung durch­ge­führt wer­den, um den Tumor in dem the­ra­peu­ti­schen Zeit­fens­ter hei­len zu können. 
Bei wem ist eine Behandlung unumgänglich?
Bei einem jün­ge­ren Pati­en­ten mit mehr als zehn Jah­ren Lebens­er­war­tung, der eine schlech­te Tumor­dif­fe­ren­zie­rung, eine grö­ße­re Tumor­aus­deh­nung und einen erhöh­ten PSA-Wert auf­weist. Das spricht näm­lich für einen aggres­si­ve­ren Tumor, der ope­ra­tiv ent­fernt oder bestrahlt wer­den soll­te. Eben­so soll­te bei Pati­en­ten mit Beschwer­den oder Meta­sta­sen eine Behand­lung sofort begin­nen. Heut­zu­ta­ge gibt es für nahe­zu jedes Tumor­sta­di­um eine ange­mes­se­ne und erfolg­ver­spre­chen­de medi­ka­men­tö­se The­ra­pie, die den Erkran­kungs­ver­lauf erheb­lich ver­lang­sa­men kann. 
Welche Aspekte sollte man bei der Wahl der richtigen Therapie berücksichtigen?
Die Behand­lung des Pro­statakar­zi­noms ist immer indi­vi­du­ell. Sie rich­tet sich wesent­lich nach dem Tumor­sta­di­um und der Tumor­dif­fe­ren­zie­rung sowie den Beglei­ter­kran­kun­gen und dem Alter des Erkrank­ten. Durch die ver­bes­ser­ten Mög­lich­kei­ten der Über­wa­chung wer­den zukünf­tig immer mehr Betrof­fe­ne aktiv über­wacht wer­den kön­nen, mit dem Ziel, eine Über­the­ra­pie zu vermeiden. 
Wann ist eine Operation bei Prostatakrebs notwendig? 
Die Indi­ka­ti­ons­stel­lung zur Ope­ra­ti­on zur radi­ka­len Pro­sta­tek­to­mie bei Pro­statakar­zi­nom ist eine indi­vi­du­el­le Ent­schei­dung. Hier­bei sind das Alter des Pati­en­ten, sein Gesund­heits­zu­stand, die indi­vi­du­el­len Tumord­a­ten wie Tumor­dif­fe­ren­zie­rung und Tumor­aus­deh­nung sowie der PSA-Wert wich­ti­ge Para­me­ter. Der Vor­teil der ope­ra­ti­ven Ver­sor­gung ist, dass der Patho­lo­ge die Pro­sta­ta genau unter­su­chen kann und damit das Sta­di­um exakt bestimmt wer­den kann. Bei einem kap­sel­über­schrei­ten­den Tumor kann dann recht­zei­tig eine ergän­zen­de Strah­len­the­ra­pie die Hei­lung ermöglichen. 
Sie operieren seit 2008 mit einem Operationsroboter-System. Was sind die Vorteile dieser Methode?

Wir haben im letz­ten Jahr 470 radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mi­en durch­ge­führt, davon über 300 mit dem Robo­ter-Sys­tem. Man kann sagen: Je kom­pli­zier­ter der Ein­griff, je auf­wen­di­ger die rekon­struk­tiv prä­pa­ra­to­ri­schen Ope­ra­ti­ons­schrit­te, des­to grö­ßer ist der Vor­teil durch das Robo­ter-Sys­tem. Die auf die­se Wei­se ope­rier­ten Pati­en­ten haben bereits in der Früh­pha­se nach der Ope­ra­ti­on eine hohe Rate an Kon­ti­nenz. Die Harn­kon­ti­nenz nach einem Jahr beträgt mehr als 90 Prozent.

Kommt diese Operationsmethode für alle Patienten in Frage?

Lei­der nicht. Bei bestimm­ten Vor­er­kran­kun­gen des Pati­en­ten, ins­be­son­de­re Herz-, Lun­gen- oder Gefäß­er­kran­kun­gen, kann auf­grund der Lage­rung des Pati­en­ten mit einer soge­nann­ten Ober­kör­per­tief­la­ge­rung der Ein­griff mit dem Robo­ter nicht durch­ge­führt wer­den. Die­se Pati­en­ten wer­den in einer dif­fe­ren­zier­ten Tech­nik schnitt­ope­ra­tiv versorgt.

Aus welchen Bestandteilen besteht das System?

Der Ope­ra­ti­ons­ro­bo­ter besteht aus zwei Kom­po­nen­ten. Da ist einer­seits die OP-Kon­so­le mit einem 3D-Moni­tor und der Steue­rungs­mög­lich­keit der OP-Instru­men­te, kon­trol­liert durch eine zen­tra­le Steu­er- und Rechen­ein­heit. Und zum ande­ren gibt es ein mecha­ni­sches Seil­zug­sys­tem, das die Mikro-Instru­men­te im Kör­per des Pati­en­ten bewegt. Der Ope­ra­teur steht im Gegen­satz zu einer offe­nen Schnitt­ope­ra­ti­on nicht selbst am Ope­ra­ti­ons­tisch. Er steu­ert das mecha­ni­sche Sys­tem der Mikro-Instru­men­te an der Kon­so­le mit den Bewe­gun­gen von Dau­men, Zei­ge­fin­ger und Handgelenk.

Was ist der Vorteil gegenüber der herkömmlichen Schlüssellochtechnik?
Gegen­über der kon­ven­tio­nel­len Laparo­s­ko­pie, bei der man eben­falls durch klei­ne Schnit­te unter der Haut ope­riert, lie­fert die Kame­ra der robo­ti­schen Tech­nik ein drei­di­men­sio­na­les, hoch­auf­lö­sen­des Bild. Der Arzt erkennt also wich­ti­ge Struk­tu­ren wie Ner­ven und Gefä­ße leich­ter und dies macht den Ein­griff siche­rer. Die spe­zi­el­len Mikro-Instru­men­te sind durch Dop­pel­ge­len­ke viel beweg­li­cher als die, die bei einer Laparo­s­ko­pie ein­ge­setzt werden. 
Die Instrumente sind praktisch der „verlängerte Arm“ des Operateurs?
Ja. Der Ope­ra­ti­ons-Robo­ter selbst macht von sich aus kei­ne Bewe­gung, son­dern über­setzt prä­zi­ser, als es der Ope­ra­teur selbst könn­te, die Ope­ra­ti­ons­schrit­te. Die­se Kom­bi­na­ti­on aus Mensch und Maschi­ne ist damit so erfolg­reich, dass sich in den USA die DaVinci®-Methode zur ope­ra­ti­ven Behand­lung des Pro­statakar­zi­noms zu über 90 Pro­zent durch­ge­setzt hat. 
Was sind die Vorteile für den Operateur?
Durch die ver­wen­de­te Dop­pel­ka­me­ra, pro Auge des Ope­ra­teurs je eine Kame­ra, wird dem Ope­ra­teur ein drei­di­men­sio­na­les Bild aus dem Kör­per über­tra­gen. Durch die HD-Tech­nik hat er eine her­vor­ra­gen­de Sicht. Die Bil­der kön­nen bis zu 15-fach ver­grö­ßert wer­den, ins­be­son­de­re bei der Gefäß­ner­ven­scho­nung ist dies ein ent­schei­den­der Vor­teil. Mit der Steu­er­kon­so­le steu­ert der Ope­ra­teur einen Kame­ra-Arm und drei Ope­ra­ti­ons­ar­me. Mikro-Instru­men­te haben durch Dop­pel­ge­len­ke eine außer­ge­wöhn­li­che Bewe­gungs­frei­heit und kön­nen Bewe­gun­gen durch­füh­ren, wozu ein Mensch mit sei­nen Fin­gern nicht in der Lage ist. Hier­mit kön­nen auf engs­tem Raum sehr kom­ple­xe Prä­pa­ra­ti­ons­schrit­te vor­ge­nom­men wer­den. Der Ope­ra­teur ist die gesam­te Ope­ra­ti­on über sehr ent­spannt. Er kann an der Steu­er­kon­so­le sit­zen und die Arme abstüt­zen. Die Bewe­gung der Instru­men­te ist abso­lut zit­ter­frei und voll­stän­dig kontrolliert. 
Welche Vorteile hat der Patient?
Auf­grund der Bauch­spie­ge­lungs­tech­nik sind nur klei­ne Schnit­te, teil­wei­se unter einem Zen­ti­me­ter, erfor­der­lich. Damit sind die Nar­ben klei­ner, Wund­hei­lungs­stö­run­gen sind sel­te­ner und die Schmer­zen nach dem Ein­griff gerin­ger. Der Pati­ent erholt sich schnel­ler und kann sich nach dem Kran­ken­haus­auf­ent­halt wie­der schnel­ler in das nor­ma­le Leben integrieren. 
Wie lange dauert eine durchschnittliche OP mit dem Roboter? 
Die OP-Zei­ten mit dem robo­ti­schen Sys­tem oder der her­kömm­li­chen offe­nen Schnitt­ope­ra­ti­on sind ver­gleich­bar. Gene­rell sind sie abhän­gig davon, ob potenz­er­hal­tend oder nicht potenz­er­hal­tend oder ob aus­ge­dehn­te Lymph­kno­ten­ent­fer­nung not­wen­dig ist.  Die OP dau­ert durch­schnitt­lich zwei bis zwei­ein­halb Stunden. 
Wie groß ist das Team im OP?
Direkt an der Ope­ra­ti­on sind drei Per­so­nen betei­ligt. Der Ope­ra­teur an der Steu­er­kon­so­le, ein Arzt direkt am Pati­en­ten, der über zwei geson­der­te Tro­ka­re Naht­ma­te­ri­al ein­bringt und gege­be­nen­falls Gewe­be­ma­te­ri­al ent­fernt sowie die OP-Schwes­ter, die instrumentiert. 
Wie viel kostet so ein Operationssystem? 
Die Kos­ten sind sehr hoch. Der Anschaf­fungs­preis liegt bei etwa 1,7 Mil­lio­nen Euro. Dazu kom­men die War­tungs­kos­ten von pau­schal 150.000 Euro im Jahr. Die ein­zel­nen Instru­men­te kön­nen nur für zehn Ope­ra­tio­nen ver­wen­det wer­den. Anders als in ande­ren euro­päi­schen Län­dern und in den USA erfolgt lei­der in Deutsch­land noch kei­ne Zusatz­ab­rech­nung durch die Krankenkassen. 
Wie sehen die Erfolge bei Kontinenz und Potenz aus? 

Die durch das Robo­ter-Sys­tem ope­rier­ten Pati­en­ten haben, wie bereits erwähnt, schon in der Früh­pha­se nach der Ope­ra­ti­on eine hohe Rate an Kon­ti­nenz. Die Harn­kon­ti­nenz nach einem Jahr beträgt hoch in die 90 Pro­zent. Bei der Potenz muss man das dif­fe­ren­zier­ter sehen. Aus Tumor­grün­den kann nicht jeder Pati­ent potenz­er­hal­tend ope­riert wer­den. Beim Potenz­er­halt blei­ben Tei­le der Pro­stat­akap­sel im Kör­per des Pati­en­ten. Bei einem aus­ge­dehn­ten und schlecht dif­fe­ren­zier­ten Tumor kann des­halb die­se Ope­ra­ti­ons­tech­nik gar nicht ange­wen­det wer­den. Nur bei organ­be­grenz­tem Tumor und guter Tumor­dif­fe­ren­zie­rung ist eine potenz­er­hal­ten­de Ope­ra­ti­ons­tech­nik anwend­bar. Auch hier kommt es dar­auf an, ob auf bei­den Sei­ten das Ner­ven­ge­fäß­bün­del erhal­ten blei­ben kann oder nur auf einer Sei­te. Bei einem jün­ge­ren Pati­en­ten mit beid­seits potenz­er­hal­ten­der Ope­ra­ti­ons­tech­nik gelingt der Erhalt der Potenz ohne Hilfs­mit­tel, in 70 Pro­zent mit medi­ka­men­tö­ser Unter­stüt­zung in nahe­zu 90 Prozent.

Wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?
In der Regel zwi­schen 7 und 9 Tagen. 
Zahlt die gesetzliche Krankenkasse? 

Sie zahlt in Deutsch­land pau­schal einen Betrag für die Durch­füh­rung einer radi­ka­len Pro­sta­tek­to­mie, unab­hän­gig davon, mit wel­cher Tech­nik ope­riert wird. Den­noch wer­den von unse­rer Kli­nik kei­ne Zusatz­ent­gel­te vom Pati­en­ten ver­langt. Im letz­ten Jahr wur­den in Deutsch­land 24 Pro­zent aller radi­ka­len Pro­sta­tek­to­mi­en mit dem Ope­ra­ti­ons­ro­bo­ter-Sys­tem durch­ge­führt. Wir erwar­ten in den nächs­ten Jah­ren ein Zusatz­ent­gelt, das die Mehr­kos­ten der Instru­men­te und der Auf­be­rei­tung abdeckt.

Bei allen bemerkenswerten Fortschritten: Die Prostata-Operation hat aber auch Nachteile, die der Barmer Krankenhausreport anhand von Zahlen wie folgt beschrieben hat: 70 Prozent der Patienten klagen nach einer radikalen Operation über Impotenz, 16 Prozent wurden inkontinent.
Es zei­gen sich Unter­schie­de in der Qua­li­tät der ope­ra­ti­ven Ver­sor­gung. Es gibt ver­schie­de­ne Unter­su­chun­gen, die ein­deu­tig bele­gen, dass Kli­ni­ken mit hoher Exper­ti­se und hohen Fall­zah­len in der Ver­sor­gung auch bes­se­re Ope­ra­ti­ons­er­geb­nis­se vor­wei­sen kön­nen. Ins­be­son­de­re die Rate an Harn­in­kon­ti­nenz ist, wie erwähnt, bei Ver­sor­gung durch Ope­ra­teu­re mit gro­ßer ope­ra­ti­ver Erfah­rung deut­lich gerin­ger und der Potenz­er­halt besser. 
Kann die Bestrahlung eine echte Alternative zur OP sein?
Ja, es gibt Pro­statakar­zi­no­me, bei denen die Strah­len­the­ra­pie im Ver­gleich zur ope­ra­ti­ven Ver­sor­gung gleich­wer­ti­ge Ergeb­nis­se zeigt. Bei einem erhöh­ten Nar­ko­se­ri­si­ko durch schwe­re Vor­er­kran­kun­gen ist dem Pati­en­ten zum Bei­spiel eher eine Bestrah­lung als eine Ope­ra­ti­on anzuraten. 
Wie sieht es mit Nebenwirkungen aus? 
Früh­zei­ti­ge Neben­wir­kun­gen einer Bestrah­lung sind eine radio­ge­ne Cys­ti­tis, also eine Bla­sen­ent­zün­dung mit häu­fi­gem Harn­drang und zum Teil erschwer­tem Was­ser­las­sen. Durch die Mit­be­strah­lung des End­darms kann es dort eben­falls zu einer Rei­zung füh­ren. Die­se Beschwer­den sind in der Regel vor­über­ge­hend. Spät­fol­gen kön­nen in sel­te­nen Fäl­len eine Schrumpf­bla­se oder ein erhöh­tes Risi­ko für einen End­darm­tu­mor darstellen. 
Bei Prostatakrebs kommt es häufig auch zu Metastasen im Knochen. Was dann?
In einem meta­sta­sier­ten Sta­di­um ist zunächst die Hor­mon­ent­zugs­the­ra­pie mit Absin­ken des männ­li­chen Sexu­al­hor­mons Tes­to­ste­ron eine gute Behand­lungs­mög­lich­keit, um die Akti­vi­tät der meis­ten Kno­chen­me­ta­sta­sen deut­lich zu ver­rin­gern. Bei Kno­chen­me­ta­sta­sen, die eine Kno­chen­bruch­ge­fähr­dung ins­be­son­de­re im Wir­bel­kör­per­be­reich dar­stel­len, ist eine geziel­te Bestrah­lung eine ange­mes­se­ne The­ra­pie. Wei­ter­hin gibt es Medi­ka­men­te, die den Kno­chen­stoff­wech­sel beein­flus­sen und die Akti­vi­tät der meis­ten Meta­sta­sen im Kno­chen deut­lich ver­rin­gern und die Gefahr eines Kno­chen­bru­ches redu­zie­ren. Bei schmerz­haf­ten Kno­chen­me­ta­sta­sen kön­nen radio­ak­tiv mar­kier­te eiweiß­ge­bun­de­ne Sub­stan­zen in den Kör­per ein­ge­ge­ben wer­den, die sich in den Meta­sta­sen ein­la­gern und die Akti­vi­tät der Meta­sta­sen bremsen. 
Sie haben eine breite Palette von Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Aber ist Prostatakrebs überhaupt heilbar?
Es ist das Ziel der Vor­sor­ge, ein Pro­statakar­zi­nom in einem mög­lichst organ­be­grenz­ten Sta­di­um zu dia­gnos­ti­zie­ren. Ist der Tumor lokal noch nicht fort­ge­schrit­ten und hat kei­ne Toch­ter­ge­schwüls­te gesetzt, so haben wir in bis zu 90 Pro­zent eine kom­plet­te Hei­lung zu erwar­ten. Posi­tiv zu ver­mer­ken ist, dass sich in den letz­ten Jah­ren, wie schon erwähnt, die ope­ra­ti­ven Tech­ni­ken wei­ter ver­fei­nert haben. Das gilt auch für die Bestrah­lungs­tech­ni­ken. Und gera­de in den letz­ten zwei Jah­ren sind neue medi­ka­men­tö­se The­ra­pi­en für das meta­sta­sier­te Pro­statakar­zi­nom zur Anwen­dung gekom­men. Hier­bei kön­nen auch Tumo­re in einem fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um in ihrem Ver­lauf abge­bremst und die Lebens­qua­li­tät des Pati­en­ten ver­bes­sert werden. 

01 | Früherkennung – was soll ich denn da?

__

Jähr­lich erkran­ken in Deutsch­land etwa 65 000 Män­ner an Pro­sta­ta­krebs – Ten­denz stei­gend. Früh erkannt ist Krebs zwar bes­ser behan­del­bar. Beim Pro­sta­ta­krebs muss dennoch…

+ mehr erfahren

02 | Wenn der Hausarzt Verdacht schöpft…
__

Nicht jeder hat bei Pro­sta­ta­krebs Sym­pto­me. Anzei­chen dafür wer­den häu­fig vom Haus­arzt bei einer Rou­ti­ne­un­ter­su­chung ent­deckt. Wei­te­re Unter­su­chun­gen sind dann erforderlich.

+ mehr erfahren

© Pro­sta­ta Hil­fe Deutsch­land | Impres­sum | Daten­schutz